«Mein Horizont erweitert sich stetig»
Damit in den Arbeitsbereichen der GHG Sonnenhalde Tandem alles rund läuft, sind zahlreiche Fachpersonen im Einsatz. Sie stehen den Mitarbeitenden mit Unterstützungsbedarf zur Seite und fördern sie. Zu einem dieser Teams gehört Marco Demarmels, der sich mit Leidenschaft für die Inklusion im Job einsetzt.
Anleiten und unterstützen: Als Arbeitsagoge fördert Marco Demarmels (rechts) die Mitarbeitenden in der von im gleiteten Industriegruppe im Berufsalltag.
Marco Demarmels wohnt nur fünf Gehminuten von der GHG Sonnenhalde Tandem entfernt in St.Gallen Rotmonten. Als Vater eines Kleinkindes und engagierter Arbeitsagoge leitet der 33-Jährige die Industriegruppe 4 der GHG Sonnenhalde Tandem mit Begeisterung und schafft es, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Was ihn daran fasziniert und wie er zur GHG gefunden hat, erzählt er im Interview.
Marco, du bist Arbeitsagoge im Bereich Industrie. Was gehört zu deinen Aufgaben?
Zusammen mit meinem Team begleite und fördere ich unsere Mitarbeitenden mit Unterstützungsbedarf in ihrem Arbeitsalltag. Ich leite sie an und unterstütze sie, damit sie ihre Aufträge kompetent ausführen können. Wir konfektionieren Produkte für verschiedene Kundschaften, zum Beispiel Verpackungen, und stellen Werbemailings zusammen. Dabei lege ich Wert auf sorgfältiges Arbeiten, gegenseitige Unterstützung und die individuelle Förderung jeder Person. Zudem stelle ich die Materialien bereit und organisiere effiziente Abläufe.
Welche zusätzlichen Tätigkeiten kommen als Leiter der Gruppe dazu?
In dieser Funktion, die ich seit zwei Jahren ausübe, dokumentiere ich systematisch die Entwicklungs- und Lernfortschritte der begleiteten Personen. Darauf aufbauend, erstelle ich gezielte Förder- und Beobachtungsberichte. Zudem pflege ich einen interdisziplinären Austausch mit Fachpersonen, zum Beispiel mit Sozialpädagogen und Therapeutinnen. Ich spreche mich auch regelmässig mit Angehörigen ab, um individuelle Förderziele abzustimmen und Organisation und Planung im Rahmen des Bezugspersonensystems zu sichern.
Arbeitsagoge ist ein Beruf, den man erst nach einer abgeschlossenen Erstausbildung erlernen kann. Welche Stationen hast du in der Ausbildung durchlaufen?
Ins Berufsleben eingestiegen bin ich in einer ganz anderen Branche – mit einer Lehre als Automobilfachmann. Dabei zeigte sich jedoch schnell, dass mir die soziale Seite fehlte. Als Ausbildner von Lernenden merkte ich nach einigen Jahren, dass meine Stärken darin liegen, andere Menschen zu fördern. Also meldete ich mich für den Lehrgang zum Systemischen Arbeitsagogen an. Dieser Beruf erfüllt mich vollkommen, da ich täglich etwas bewirken kann und dabei ganz ich selbst sein darf. Besonders schätze ich die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit.
Ist es im Bereich Industrie von Vorteil, dass du handwerkliche Erfahrungen mitbringst?
Auf jeden Fall. Zwar werden diese Fähigkeiten nicht zwingend vorausgesetzt, aber ich kann sie immer wieder nutzen. Kenntnisse in Materialkunde und mein technisches Verständnis sind beispielsweise nützlich, wenn ich Hilfsmittel für die Mitarbeitenden erstelle, die sie in ihrer Arbeit unterstützen und ihnen den Arbeitsalltag erleichtern.
Marco Demarmels legt viel Wert auf Selbstreflexion und auf den regelmässigen Austausch im Team.
Welche Aspekte deines Jobs gefallen dir besonders gut?
Im Zentrum stehen für mich die Arbeit im Bezugspersonensystem und die Selbstreflexion. Besonders reizvoll finde ich es, mich täglich auf Beziehungen einzulassen und auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden mit Unterstützungsbedarf einzugehen. Dabei ist mir eine offene und wertschätzende Kommunikation besonders wichtig.
Wer gehört alles zu eurer Industriegruppe 4?
Bei uns sind neun Mitarbeitende tätig. Die Vielfalt an Eigenschaften sowie kognitiven, physischen und psychischen Beeinträchtigungen prägt unseren Alltag, was ich als bereichernd empfinde. Jede und jeder bringt eigene Stärken und Fähigkeiten ein. Im Team arbeite ich stets mit einer zweiten Fachperson sowie mit jemandem in Ausbildung zusammen. Ab und zu erhalten Praktikantinnen und Praktikanten bei uns einen Einblick. Unser Miteinander macht die gemeinsame Arbeit bedeutsam und lebendig.
Wie erlebst du den Kontakt zu den Mitarbeitenden, die du begleitest?
Warmherzig und humorvoll. Es kommt jedoch auch vor, dass jemand aufgebracht reagiert, da Emotionen immer mitschwingen. Dennoch ist unser Umgang grundsätzlich von Rücksicht und Respekt geprägt. Für mich ist es entscheidend, den Dialog mit den Mitarbeitenden stets auf Augenhöhe zu führen.
Und welche Erfahrungen machst du im Austausch mit den anderen Fachpersonen?
Den Kontakt im Team erlebe ich als wertschätzend und motivierend. Er ist ein Fundament aus Vertrauen und Hilfsbereitschaft. Zudem pflegen wir eine offene Feedbackkultur. Das macht es uns möglich, nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zu wachsen.
Zu guter Letzt: Womit würdest du es einer Kollegin oder einem Kollegen schmackhaft machen, sich für eine Stelle bei euch zu bewerben?
An der GHG gefällt mir besonders, dass wir interdisziplinär arbeiten und uns über die Organisationen hinweg austauschen. So erweitert sich mein Horizont jeden Tag. Die GHG bietet viele spannende Ansatzpunkte, um sich für Chancen, Teilhabe und Entwicklung einzusetzen.